Letzter Sommer im Grünen

Glück im Grünen: Ilona verbringt jede freie Minuten in ihrer Laube.

Draußen sein. Im Wald. Statt in der Wohnung unterm Wellblechdach oder im Hängesessel. Wenig Komfort, aber dafür ohne Autoverkehr vor der Tür. Ein kleiner Platz im Grünen. Und darauf die eigenen vier Wände. Das genießen zahlreiche Laubenpieper in den Großstädten. Es ist auch eine Flucht vor der Großstadt, zumindest im Kleinen.

Ilona Brede flieht jedes Wochenende und immer, wenn sie frei hat, in den Wald nach Kladow. Dort steht ihre Laube. Seit vielen Jahren genießt sie Sommer und Winter hier. Noch. Bis Ende des Jahres soll die Laube abgerissen werden. Es ist Ilonas letzter Sommer auf ihren 25 Quadratmetern Laubenpieperglück.

Protest mit Plakaten: Ilona kämpft dafür, dass diese Laube nicht abgerissen werden muss.

Anders als mehrfach geschehen in den vergangenen Jahren in Berlin muss die Laube aber nicht weichen, weil an ihrer Stelle schicke Neubauwohnungen gebaut werden sollen oder noch ein neues Einkaufszentrum oder Ähnliches. Nein, Ilonas Laube und auch die ihrer Mitstreiter in der Laubenkolonie in Kladow sollen einfach nur weg. Der Bezirk Spandau möchte das Landschaftsschutzgebiet bzw. den Teil, über den er bestimmen kann, wieder unbebaut haben, renaturiert und grün. Pattsituation.

Die Geschichte der Laubenkolonie und von Ilonas letztem Sommer dort habe ich für die taz-Sommerserie „Letzter Sommer“ aufgeschrieben. Ihr könnt sie hier nachlesen.>>>

Ilona Brede und ihr Partner Colin Dorn vor der Laube im Wald in Kladow.

Der Eingang der Laube von Bettina Hoffmann. Sie soll ihr Häuschen selbst abreißen.

Pestizide: immer neu, immer mehr

Bald keine Blüten mehr, keine Bienen mehr? Die Artenvielfalt schrumpft durch den massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Glyphosat, Neonicotinoide und nun Sulfoxaflor: Dass die Artenvielfalt schrumpft, dass Bienen vergiftet werden und dass auch wir irgendwann die gesundheitlichen Gefahren direkt zu spüren bekommen, ist kein Grund für die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln damit aufzuhören, immer neues Gift auf die Äcker zu bringen. Das sehr kurz gedachte Ziel: mehr Ertrag, mehr Gewinn.

Schon bald könnte es wieder soweit sein und die nächste Gruppe von Pestiziden werden auf den Äckern landen. Wieder wenig erforscht, wieder mit viel Potenzial, Umwelt, Mensch, Tier und Pflanze zu vergiften. Diesmal handelt es sich um Mittel mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor, von denen drei in Deutschland auf eine Zulassung warten. In der EU ist der Stoff schon erlaubt.

In der Antwort auf eine Anfrage eines Grünen-Abgeordneten hat die Bundesregierung klar bestätigt, dass Sulfoxaflor eine Gefahr für die Bienen darstellt. Zudem steht dort, dass es zu dem Wirkstoff bislang zu wenige Studien gibt. Ich habe darüber für das Deutsche Bienen-Journal einen Online-Beitrag geschrieben.

Den Beitrag mit dem Titel „Neue Pestizide: Risiko für Honigbienen“ könnt ihr hier nachlesen.>>>

Was sich sonst noch bei dem Thema Neonicotinoide und Bienenschutz in Deutschland tut und wie andere Länder damit umgehen (etwa Frankreich, das ein Komplettverbot erlassen hat), lest ihr hier in einem zusammenfassenden Beitrag von mir.>>>

Bioboom

Bei mir im Kiez gibt es drei Bio-Supermärkte, einen kleinen Bioladen und eine Vollwertbäckerei. In Berlin boomt alles, was „bio“ ist und noch mehr, wenn es zusätzlich aus der Region kommt. Das ist schön. Es boomt allerdings so stark, dass die Nachfrage aus der Region gar nicht befriedigt werden kann. Das ist nicht so schön. Und es hat zur Folge, dass viele Biowaren importiert werden müssen.

Schuld daran sind unter anderem Agrarkonzerne, die rund um Berlin riesige Äcker bewirtschaften – nicht im Bioanbau versteht sich. Sie haben die finanzielle Potenz, alles freiwerdende Land aufzukaufen, so dass es für kleine Biobauern schwer wird, neue Flächen zu bekommen.

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Deponie statt Recycling

BauschuttÜberall wird gebaut: Häuser, Straßen, Brücken. Nicht selten wird vor dem Bauen erst einmal abgerissen. Massen an Bauschutt fällt da an. Massen an Erde wird ausgehoben, Steine werden weggebaggert, Wände fallen zusammen und mit ihnen auch Ziegel, Fliesen und Putz. Viele von diesen Materialien könnten nochmals verwendet werden, doch sie landen auf der Deponie.

Und das könnte noch schlimmer werden, wenn nicht bald neue Gesetze gelten. Der Grund dafür, dass schon jetzt weniger Baumaterialien als möglich recycelt werden, liegt im Zeitdruck, der auf Baustellen herrscht. Die Verantwortung für das Entsorgen haben derzeit die Baufirmen und diese haben meist Stress, wenn sie erst einmal mit dem Bauen angefangen haben. Für Schadstoffprüfungen oder gar Abfalltrennung bleibt da keine Zeit. So landet sehr sehr viel auf den Deponien und diese sind voller denn je.

Etwa 200 Millionen Tonnen an mineralischem Bau- und Abbruchabfällen sind das jährlich. Tendenz steigend. Ich habe über dieses Thema mit dem Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes gesprochen und für die Deutsche Handwerks Zeitung einen Online-Beitrag geschrieben. Er erklärt unter anderem, wie man das Problem lösen könnte. Denn grundsätzlich ist das Abfallsystem in Deutschland als Kreislauf angelegt, mit dem Ziel: möglichst viel zu recyceln. Theorie und Praxis – zwei Welten.

Den Beitrag könnt ihr hier nachlesen.>>>

Honiggeschichten vom taz-Dach

taz-BienenUnsere Bienen fliegen nun auch durch Kreuzberg und machen wahrscheinlich immer mal Abstecher nach Mitte. Zwei Bienenvölker stehen seit kurzem auf dem Dach der taz. Es war ein Neustart für den Honig von taz-Dach, den es schon bald auch im taz-Shop zu kaufen gibt. Ein Neustart deshalb, weil es dort schon in den vergangenen Jahren Bienen gab. Leider war es letzten Herbst damit vorbei als die Wespen kamen und alles ausgeräubert haben.

Zum Neustart haben wir die Imkerei dort übernommen und konnten bereits den ersten Honig ernten. Es schmeckt fruchtig-mild, noch ohne das typische Hauptstadtlindenaroma. Den Bienen geht es dort oben in luftiger Höhe nun prima. Sie finden sogar auf dem Dach selbst (siehe Foto oben) einige Blüten. Doch das meiste, was sie sammeln, stammt von den Bäumen, die die Straßen in der Berliner Innenstadt säumen: Kastanie, Ahorn, Robinie und vieles mehr.

Mit dem Start unseres Imkergeschehens auf dem taz-Dach ist auch eine kleine Bienen-Kolumne auf blogs.taz.de und in der gedruckten taz (immer wenn es etwas Neues zu berichten gibt auf den Seite „aus der taz“ in der Wochenendausgabe) entstanden. Ich berichte hier regelmäßig darüber, was sich so tut bei den taz-Bienen und beim Honig vom taz-Dach. Die kleinen Honiggeschichten könnt ihr hier nachlesen.>>>

taz-Bienen

taz-Bienen

Glyphosat? Nein Danke

In Getreidefeldern wachsen oft Kornblumen, die den Bienen Nahrung bieten: Diese sterben ab, wenn Glyphosat gespritzt wird. Doch manchmal sammeln Bienen davor noch den belasteten Nektar.

Trauriges Ergebnis: Die EU-Staaten haben es tatsächlich nicht geschafft, sich darauf zu einigen, das Pflanzengift Glyphosat endlich vom Markt zu nehmen. Die Zulassung läuft morgen aus und sie wird verlängert.

Glyphosat gilt als krebserregend, es vernichtet Pflanzen, darunter auch viele Blüten, die die Bienen auf dem Land dringend bräuchten, und es hinterlässt in immer mehr Lebensmitteln Rückstände. Wie jetzt bekannt wurde, auch im Honig.

Zwar gibt es in Deutschland noch keine größeren Untersuchungen dazu. Doch einzelne Proben haben bereits hohe Werte gezeigt. Ich habe darüber einen Online-Beitrag für das Deutsche Bienen-Journal geschrieben. Er kann hier nachgelesen werden.>>>

Die Rückstandsproblematik betrifft zwar vor allem die Landimker, denn große Getreidefelder gibt es hier trotz des Trends zu Urban Gardening und Co. noch nicht. Doch alle sollten sich gemeinsam für eine Landwirtschaft einsetzen, die derartige Gifte wie Glyphosat einfach nicht benötigt, nicht möchte und auf natürlich Mittel setzt. Es ist ein Kreislauf: ohne Blüten keine Bienen, ohne Bienen keine Bestäubung und ohne Bestäubung wollen die Landwirte ihre Erträge anders steigern. Teufelskreis.

Barsch für Berlin

Frischer Fisch aus Berlin – diese Vorstellung klingt nicht so lecker, wenn man an die Spree oder die Havel denkt und daran, was darin manchmal so schwimmt. „Frischen“ Fisch bekommt man also eigentlich nur tiefgefroren. Oder man ist Hauptstadtbarsch.

Der Hauptstadtbarsch kommt nicht aus der Spree, sondern aus einem großen Wasserbottich. Er schwimmt nicht unter freiem Himmel, sondern unter Kunstlicht – und das mitten in Schöneberg auf dem Gelände der alten Malzfabrik. Der Hauptstadtbarsch wächst in einer Aquaponikanlage heran. Urban Fishing kombiniert mit Urban Gardening. 30 Tonnen Barsch und 35 Tonnen Gemüse werden hier jedes Jahr produziert.

Zur Aquaponik gehört immer auch die Hydroponik, der Gemüseanbau. Und auch dieser findet bei den ECF Farmers in einem großen Gewächshaus mitten in Berlin statt. Als ich die Stadtgärtner besucht habe, waren es gerade Tomaten, die dort mit Hilfe der Fische gedeihten. Ein spannendes Projekt und so zukunftsweisend, dass die Betreiber der Anlage mittlerweile Nachahmer in vielen anderen Ländern beraten, die dasselbe planen.

Für die taz habe ich über den Hauptstadtbarsch geschrieben (leider ist in die Unterzeile ein kleiner Fehler gerutscht – es sind dreißig statt drei Tonnen). Dabei ging es auch um den Ansatz, dass es immer mehr regionale Produkte direkt auch Berlin gibt und dass diese auch in den Supermärkten verkauft werden. Das Ziel: auch die nicht typischen Bioladen- und Wochenmarkt- und Fair-Grade-Messen-Besucher sollen mitbekommen, was es alles so gibt und wie man mit dem, was man einkauft auch Einfluss nehmen kann, auf das, was der Markt bietet.

Den Beitrag aus der taz könnt ihr hier nachlesen.>>>

Und hier gibt es ein paar Eindrücke von der Anlage: Leider konnte ich beim Besuch vor Ort bei den ECF Farmern die Fische nur durch eine Scheibe beobachten – wegen der Hygienevorschriften. An die Tomaten durfte ich näher ran.

Elektrischer Rückenwind

© Jana Tashina Wörrle

Immer mehr Menschen fahren Rad. Das ist schön. Dank Elektrofahrrädern auch immer mehr Ältere. Auch das ist schön. Doch damit, dass immer mehr Räder mit elektrischer Fahrhilfe unterwegs sind, steigt auch die Unfallgefahr. Die Dinger schaffen immerhin gut 25 km/h.

Auch als geübte – und eigentlich überzeugte motorlose – Radfahrerin durfte ich spüren, dass das Fahren mit einem sogenannten Pedelec gar nicht ganz so einfach ist. Echt ein neues Fahrgefühl – so als würde jemand von hinten anschieben oder wie ein leichter Rückenwind. Problematisch kann es in den Kurven werden, denn die Räder sind durch den Motor viel schwerer, ihr Schwerpunkt liegt tief und mittig. Das macht auch das Bremsen etwas schwieriger bzw. anders eben.

Ich habe das bei einem Pedelectraining des ADAC getestet – quasi ein Sicherheitstraining für Elektrofahrräder. Meine Erfahrungen habe ich in einem Beitrag für die Motorwelt zusammengefasst. Er kann hier nachgelesen werden.>>>

Ehrlich gesagt: Das E-Bike-Fahren hat auch richtig Spaß gemacht. Trotzdem bin ich bei dem Thema grundsätzlich noch ein wenig skeptisch: Die Umweltfreundlichkeit die immer wieder gelobt wird, wenn es um die Elektromobilität geht, steht für mich solange noch im Zweifel, bis der Strom, der in die dabei genutzten Batterien fließt, komplett aus erneuerbaren Energien stammt.

Asphalt-Berlin

Immer mehr grüne Fläche verschwindet, immer mehr wird zugebaut, asphaltiert und zubetoniert. Berlin gilt eigentlich als besonders grün. Doch das Grüne ist in Gefahr.

Nach Ansicht mehrerer Berliner Naturschutzverbände müssen Grün- und Freiflächen besser geschützt werden und zwar per Gesetz. Ansonsten geht sowohl wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren als auch die sogenannte grüne Lunge der Stadt, die uns alle vor Smog, Überhitzung und Co. schützt.

Über dieses Problem habe ich einen Beitrag für die Berliner Woche geschrieben. Er kann online nachgelesen werden. Dazu gibt es eine Leserfrage. Bitte hier abstimmen.>>>

Wer mehr über die Forderungen der Naturschutzverbände wissen will, bekommt unter bund-berlin.de Infos.

Sortenkunde: Honig ist nicht gleich Honig

Löwenzahn

Löwenzahn ist bei Bienen beliebt, wenn kein Raps in der Nähe blüht.

Das Honigjahr beginnt meist mit den Blüten von Ahorn und Raps. Das eine eher in der Stadt und das andere auf dem Land. Von den Blüten sammeln die Bienen Nektar und verarbeiten ihn zu Honig. Nach Ahorn und Raps und manchmal auch gleichzeitig geht es weiter mit Obstbaumblüte, Löwenzahn und Robinie. Mit der Lindenblüte ist dann der Höhepunkt erreicht.

Es ist schon ein Wunder, wie die Bienen es schaffen, derart unterschiedlich schmeckenden Honig herzustellen: jeder Sortenhonig schmeckt anders, hat eine eigene Farbe, eine spezifische Konsistenz und duftet unterschiedlich. Sortenhonig ist übrigens trotz des Namens eine Mischung aus dem Nektar von unterschiedlichen Pflanzen. Aber keine Sorge: das machen die Bienen selbst, wenn sie verschiedene Blüten anfliegen. Wenn mehr als 60 Prozent von einer Pflanzenart stammt, darf man den Honig allerdings danach benennen – und dann schmeckt man auch große Unterschiede.

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