Honiggeschichten vom taz-Dach

taz-BienenUnsere Bienen fliegen auch durch Kreuzberg und machen wahrscheinlich immer mal Abstecher nach Mitte. Zwei Bienenvölker stehen seit Mitte des Jahres auf dem Dach der taz. Es war ein Neustart für den Honig von taz-Dach, den es jetzt auch im taz-Shop zu kaufen gibt. Ein Neustart deshalb, weil es dort schon in den vergangenen Jahren Bienen gab. Leider war es letzten Herbst damit vorbei als die Wespen kamen und alles ausgeräubert haben.

Zum Neustart haben wir die Imkerei dort übernommen und konnten bereits den ersten Honig ernten. Es schmeckt fruchtig-mild, noch ohne das typische Hauptstadtlindenaroma. Den Bienen geht es dort oben in luftiger Höhe nun prima. Sie finden sogar auf dem Dach selbst (siehe Foto oben) einige Blüten. Doch das meiste, was sie sammeln, stammt von den Bäumen, die die Straßen in der Berliner Innenstadt säumen: Kastanie, Ahorn, Robinie und vieles mehr.

Mit dem Start unseres Imkergeschehens auf dem taz-Dach ist auch eine kleine Bienen-Kolumne auf blogs.taz.de und in der gedruckten taz (immer wenn es etwas Neues zu berichten gibt auf den Seite „aus der taz“ in der Wochenendausgabe) entstanden. Ich berichte hier regelmäßig darüber, was sich so tut bei den taz-Bienen und beim Honig vom taz-Dach. Die erste kleine Honiggeschichte könnt ihr hier nachlesen.>>>

Die zweite Kolumne ist hier zu finden.>>>

Unseren Honig im taz-Shop findet ihr hier.>>>

taz-Bienen

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Gutes Brot braucht Zeit

Fürs Brotbacken brauchen die einen Enzyme, Quellmittel, Emulgatoren und vieles mehr und die anderen einfach nur Zeit. Unser täglich Brot kann krank machen.

Blähungen und Bauchschmerzen sind unangenehm. Rund zwölf Prozent der Deutschen leiden an einem Reizdarm und vertragen deshalb kein Brot aus Weizen. Genauer gesagt denken viele, dass sie kein Weizenbrot vertragen und greifen zu Brot aus Urgetreiden wie Emmer oder Dinkel. Nichts gegen die Urgetreide, die sehr gesund und lecker sind. Aber dennoch könnten die Geblähten wahrscheinlich auch Weizen essen. Voraussetzung: sie kaufen Brot, das nach handwerklicher Art und einer langen Teigführung hergestellt wurde.

Forscher der Uni Hohenheim haben herausgefunden, dass die Unverträglichkeit oft damit zusammenhängt, dass der Brotteig zu schnell gebacken wird. Die Hefe bekommt nicht genügend Zeit zum Gehen. So können bestimmte Zucker nicht abgebaut werden, die zu den Blähungen führen. Statt dem Teig Ruhe zu gönnen, greift vor allem die Backindustrie gerne zu chemischen Mitteln. Das hat Folgen.

Ein Zusammenhang mit den Urgetreiden entsteht übrigens deshalb, weil diejenigen, die Brot aus Urgetreiden anbieten meist noch handwerklich arbeiten und auch die lange Teigführung nutzen. Für die Deutsche Handwerks Zeitung habe ich einen Online-Beitrag über dieses Thema geschrieben. Er trägt den Titel: „Backtechnik: So ist Brot besser verträglich“; ihr könnt ihn hier nachlesen.>>>

Und noch ein Lesetipp zum Thema: Brot, das mehr Zeit zum Gehen bekommt, enthält auch weniger Acrylamid.>>>

Das oben eingefügte Foto ist übrigens ein Bild von einem Brot ganz ohne Mehl – aber dafür mit Honig. Ich habe das Rezept dazu getestet und darüber geschrieben. Ihr könnt das hier nachlesen.>>>

Gemeinsam Fleisch kaufen

Foto: kaufnekuh.de

Innereien sind leicht verdaulich und vitaminreich. Aber mal ehrlich: Wann habt ihr zum letzten Mal Niere oder Leber gegessen? Noch nie? Keine Seltenheit. Und habt ihr schon mal darüber nachgedacht, was mit dem restlichen, geschlachteten Tier passiert, wenn alle nur Steak und Filet essen?

War es einst normal so viel wie irgendwie möglich von einem Tier zu verwerten, so sind wir Konsumenten heute weitaus anspruchsvoller. Damit entsteht allerdings eine Menge Abfall, der eigentlich nutzbar wäre.

Ein Gegentrend zu dieser Entwicklung heißt „nose-to-tail“, ein anderer „Crowdbutching“. Es geht um das Verwerten des ganzen Tiers, von Kopf bis Fuß. Beim Crowdbutching tun sich Menschen übers Internet zusammen und kaufen gemeinsam ein Tier. Genauer gesagt, kaufen sie Teile eines Tieres und erst wenn alles verkauft ist, geht es zur Schlachtbank.

So zumindest das Prinzip. Die Praxis sieht dann doch ein wenig anders aus, denn auch beim Crowdbutching bleiben einige Teile übrig – meist die Innereien.

Wie das Ganze genau funktioniert, wie man mitmachen kann und wo es noch Probleme gibt, habe ich für die Deutsche Handwerks Zeitung in einem Online-Beitrag zusammengefasst. Ihr könnt ihn hier nachlesen.>>>

Umweltbildung im Gemüsebeet

Helmut Krüger-Danielson leitet das SUZ Mitte und setzt sich dafür ein, dass die Gartenarbeitsschulen auch künftig in öffentlicher Trägerschaft bleiben.

Gemüse wächst nicht im Supermarkt, Beeren muss man einzeln vom Strauch zupfen und Möhren eigentlich aus der Erde ziehen statt aus der Plastiktüte. Es mag Kinder geben, für die ist das keine Selbstverständlichkeit.   Großstadtkinder. Ohne eigenen Garten oder die Möglichkeit, woanders mal zu erleben, wie Gemüse und Obst wächst.

Um den Berliner Stadtkindern zu zeigen, wie Möhren wachsen, dass es lange dauert, bis ausgesäte Radieschensamen dicke rote Knollen bilden und welche Arbeit dazu nötig ist, gibt es Gartenarbeitsschulen. 14 sind es in Berlin. Dort können schon Kita-Kinder ihr eigenes Feld beackern.

Schon seit 1920 gibt es diese wichtigen „außerschulischen“ Lernorte, doch bis heute ist ihre finanzielle Ausstattung nicht zu 100 Prozent abgesichert. Immerhin: Seit diesem Jahr sind sie im Berliner Schulgesetz verankert. Zudem gab es außerplanmäßige Zuschüsse. Wirkliche Planungssicherheit aber verhindert noch das Berliner Haushaltsrecht.

Für einen Beitrag in der taz habe ich die Gartenarbeitsschule in Reinickendorf besucht, mir angeschaut, was es dort alles zu sehen und zu beackern gibt und mit dem Leiter des Schul- und Umweltzentrums Mitte über das gesprochen, was sich aktuell politisch in Bezug auf die außerschulischen Lernorte so tut. Spannendes Thema.

Den Beitrag könnt ihr hier nachlesen.>>>

Letzter Sommer im Grünen

Glück im Grünen: Ilona verbringt jede freie Minuten in ihrer Laube.

Draußen sein. Im Wald. Statt in der Wohnung unterm Wellblechdach oder im Hängesessel. Wenig Komfort, aber dafür ohne Autoverkehr vor der Tür. Ein kleiner Platz im Grünen. Und darauf die eigenen vier Wände. Das genießen zahlreiche Laubenpieper in den Großstädten. Es ist auch eine Flucht vor der Großstadt, zumindest im Kleinen.

Ilona Brede flieht jedes Wochenende und immer, wenn sie frei hat, in den Wald nach Kladow. Dort steht ihre Laube. Seit vielen Jahren genießt sie Sommer und Winter hier. Noch. Bis Ende des Jahres soll die Laube abgerissen werden. Es ist Ilonas letzter Sommer auf ihren 25 Quadratmetern Laubenpieperglück.

Protest mit Plakaten: Ilona kämpft dafür, dass diese Laube nicht abgerissen werden muss.

Anders als mehrfach geschehen in den vergangenen Jahren in Berlin muss die Laube aber nicht weichen, weil an ihrer Stelle schicke Neubauwohnungen gebaut werden sollen oder noch ein neues Einkaufszentrum oder Ähnliches. Nein, Ilonas Laube und auch die ihrer Mitstreiter in der Laubenkolonie in Kladow sollen einfach nur weg. Der Bezirk Spandau möchte das Landschaftsschutzgebiet bzw. den Teil, über den er bestimmen kann, wieder unbebaut haben, renaturiert und grün. Pattsituation.

Die Geschichte der Laubenkolonie und von Ilonas letztem Sommer dort habe ich für die taz-Sommerserie „Letzter Sommer“ aufgeschrieben. Ihr könnt sie hier nachlesen.>>>

Ilona Brede und ihr Partner Colin Dorn vor der Laube im Wald in Kladow.

Der Eingang der Laube von Bettina Hoffmann. Sie soll ihr Häuschen selbst abreißen.

Pestizide: immer neu, immer mehr

Bald keine Blüten mehr, keine Bienen mehr? Die Artenvielfalt schrumpft durch den massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Glyphosat, Neonicotinoide und nun Sulfoxaflor: Dass die Artenvielfalt schrumpft, dass Bienen vergiftet werden und dass auch wir irgendwann die gesundheitlichen Gefahren direkt zu spüren bekommen, ist kein Grund für die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln damit aufzuhören, immer neues Gift auf die Äcker zu bringen. Das sehr kurz gedachte Ziel: mehr Ertrag, mehr Gewinn.

Schon bald könnte es wieder soweit sein und die nächste Gruppe von Pestiziden werden auf den Äckern landen. Wieder wenig erforscht, wieder mit viel Potenzial, Umwelt, Mensch, Tier und Pflanze zu vergiften. Diesmal handelt es sich um Mittel mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor, von denen drei in Deutschland auf eine Zulassung warten. In der EU ist der Stoff schon erlaubt.

In der Antwort auf eine Anfrage eines Grünen-Abgeordneten hat die Bundesregierung klar bestätigt, dass Sulfoxaflor eine Gefahr für die Bienen darstellt. Zudem steht dort, dass es zu dem Wirkstoff bislang zu wenige Studien gibt. Ich habe darüber für das Deutsche Bienen-Journal einen Online-Beitrag geschrieben.

Den Beitrag mit dem Titel „Neue Pestizide: Risiko für Honigbienen“ könnt ihr hier nachlesen.>>>

Was sich sonst noch bei dem Thema Neonicotinoide und Bienenschutz in Deutschland tut und wie andere Länder damit umgehen (etwa Frankreich, das ein Komplettverbot erlassen hat), lest ihr hier in einem zusammenfassenden Beitrag von mir.>>>

Bioboom

Bei mir im Kiez gibt es drei Bio-Supermärkte, einen kleinen Bioladen und eine Vollwertbäckerei. In Berlin boomt alles, was „bio“ ist und noch mehr, wenn es zusätzlich aus der Region kommt. Das ist schön. Es boomt allerdings so stark, dass die Nachfrage aus der Region gar nicht befriedigt werden kann. Das ist nicht so schön. Und es hat zur Folge, dass viele Biowaren importiert werden müssen.

Schuld daran sind unter anderem Agrarkonzerne, die rund um Berlin riesige Äcker bewirtschaften – nicht im Bioanbau versteht sich. Sie haben die finanzielle Potenz, alles freiwerdende Land aufzukaufen, so dass es für kleine Biobauern schwer wird, neue Flächen zu bekommen.

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Deponie statt Recycling

BauschuttÜberall wird gebaut: Häuser, Straßen, Brücken. Nicht selten wird vor dem Bauen erst einmal abgerissen. Massen an Bauschutt fällt da an. Massen an Erde wird ausgehoben, Steine werden weggebaggert, Wände fallen zusammen und mit ihnen auch Ziegel, Fliesen und Putz. Viele von diesen Materialien könnten nochmals verwendet werden, doch sie landen auf der Deponie.

Und das könnte noch schlimmer werden, wenn nicht bald neue Gesetze gelten. Der Grund dafür, dass schon jetzt weniger Baumaterialien als möglich recycelt werden, liegt im Zeitdruck, der auf Baustellen herrscht. Die Verantwortung für das Entsorgen haben derzeit die Baufirmen und diese haben meist Stress, wenn sie erst einmal mit dem Bauen angefangen haben. Für Schadstoffprüfungen oder gar Abfalltrennung bleibt da keine Zeit. So landet sehr sehr viel auf den Deponien und diese sind voller denn je.

Etwa 200 Millionen Tonnen an mineralischem Bau- und Abbruchabfällen sind das jährlich. Tendenz steigend. Ich habe über dieses Thema mit dem Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes gesprochen und für die Deutsche Handwerks Zeitung einen Online-Beitrag geschrieben. Er erklärt unter anderem, wie man das Problem lösen könnte. Denn grundsätzlich ist das Abfallsystem in Deutschland als Kreislauf angelegt, mit dem Ziel: möglichst viel zu recyceln. Theorie und Praxis – zwei Welten.

Den Beitrag könnt ihr hier nachlesen.>>>

Glyphosat? Nein Danke

In Getreidefeldern wachsen oft Kornblumen, die den Bienen Nahrung bieten: Diese sterben ab, wenn Glyphosat gespritzt wird. Doch manchmal sammeln Bienen davor noch den belasteten Nektar.

Trauriges Ergebnis: Die EU-Staaten haben es tatsächlich nicht geschafft, sich darauf zu einigen, das Pflanzengift Glyphosat endlich vom Markt zu nehmen. Die Zulassung läuft morgen aus und sie wird verlängert.

Glyphosat gilt als krebserregend, es vernichtet Pflanzen, darunter auch viele Blüten, die die Bienen auf dem Land dringend bräuchten, und es hinterlässt in immer mehr Lebensmitteln Rückstände. Wie jetzt bekannt wurde, auch im Honig.

Zwar gibt es in Deutschland noch keine größeren Untersuchungen dazu. Doch einzelne Proben haben bereits hohe Werte gezeigt. Ich habe darüber einen Online-Beitrag für das Deutsche Bienen-Journal geschrieben. Er kann hier nachgelesen werden.>>>

Die Rückstandsproblematik betrifft zwar vor allem die Landimker, denn große Getreidefelder gibt es hier trotz des Trends zu Urban Gardening und Co. noch nicht. Doch alle sollten sich gemeinsam für eine Landwirtschaft einsetzen, die derartige Gifte wie Glyphosat einfach nicht benötigt, nicht möchte und auf natürlich Mittel setzt. Es ist ein Kreislauf: ohne Blüten keine Bienen, ohne Bienen keine Bestäubung und ohne Bestäubung wollen die Landwirte ihre Erträge anders steigern. Teufelskreis.

Barsch für Berlin

Frischer Fisch aus Berlin – diese Vorstellung klingt nicht so lecker, wenn man an die Spree oder die Havel denkt und daran, was darin manchmal so schwimmt. „Frischen“ Fisch bekommt man also eigentlich nur tiefgefroren. Oder man ist Hauptstadtbarsch.

Der Hauptstadtbarsch kommt nicht aus der Spree, sondern aus einem großen Wasserbottich. Er schwimmt nicht unter freiem Himmel, sondern unter Kunstlicht – und das mitten in Schöneberg auf dem Gelände der alten Malzfabrik. Der Hauptstadtbarsch wächst in einer Aquaponikanlage heran. Urban Fishing kombiniert mit Urban Gardening. 30 Tonnen Barsch und 35 Tonnen Gemüse werden hier jedes Jahr produziert.

Zur Aquaponik gehört immer auch die Hydroponik, der Gemüseanbau. Und auch dieser findet bei den ECF Farmers in einem großen Gewächshaus mitten in Berlin statt. Als ich die Stadtgärtner besucht habe, waren es gerade Tomaten, die dort mit Hilfe der Fische gedeihten. Ein spannendes Projekt und so zukunftsweisend, dass die Betreiber der Anlage mittlerweile Nachahmer in vielen anderen Ländern beraten, die dasselbe planen.

Für die taz habe ich über den Hauptstadtbarsch geschrieben (leider ist in die Unterzeile ein kleiner Fehler gerutscht – es sind dreißig statt drei Tonnen). Dabei ging es auch um den Ansatz, dass es immer mehr regionale Produkte direkt auch Berlin gibt und dass diese auch in den Supermärkten verkauft werden. Das Ziel: auch die nicht typischen Bioladen- und Wochenmarkt- und Fair-Grade-Messen-Besucher sollen mitbekommen, was es alles so gibt und wie man mit dem, was man einkauft auch Einfluss nehmen kann, auf das, was der Markt bietet.

Den Beitrag aus der taz könnt ihr hier nachlesen.>>>

Und hier gibt es ein paar Eindrücke von der Anlage: Leider konnte ich beim Besuch vor Ort bei den ECF Farmern die Fische nur durch eine Scheibe beobachten – wegen der Hygienevorschriften. An die Tomaten durfte ich näher ran.