Ist das Kunst oder kann das weg?

Was ist Kunst und was ist keine? Muss man handwerklich begabt sein, um sich „Künstler“ zu nennen oder nur den Ansatz haben, die Welt verändern zu wollen? Auch die Kunst lässt mich immer wieder rätseln und ich finde hier keinen roten Faden.

Mit mehr oder dem richtigen Konsumieren die Welt besser zu machen, kann nur Utopie sein. Trotzdem bleibt es interessant zu beobachten, was sich die Wirtschaft auch in Zukunft noch einfallen lässt, um dem Bauchgefühl der Menschen – der eigentlich besten Entscheidungsgrundlage – mit neuen „grünen“, gesunden und vermeintlich „sozialen“ Produkten einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Genauso wie der richtige Konsum gehört heute aber auch ein eigenes Verständnis von Kunst zu jedem aufgeklärten Bürger – zumindest bekommt man das Gefühl, wenn man Zeitung liest, hin und wieder ins Museum geht oder auch nur an dem teilhaben will, über das alle so sprechen. Doch wie „mainstream“ muss man hierbei sein?

Ich schaue mir gerne Ausstellungen an, bin interessiert an Kunst und manchmal versuche ich auch, selbst ein bisschen Kunst zu „machen“ – mit Pinsel, Fotoapparat oder anderem. Doch schon, wenn ich hier über Kunst schreibe, frage ich mich, wo sie anfängt und wo sie aufhört? Wer darf sich Künstler nennen und kann man das überhaupt allgemeinverbindlich definieren?

Kunst ist Geschmacksache, klar. Aber warum werden die einen ganz groß (und reich) damit und die anderen, die vielleicht auf den ersten Blick viel schönere Dinge machen, bleiben für immer nur „Nebenbei“-Handwerker? Ist erfolgreiche Kunst, erfolgreiches Marketing oder mehr?

Für mich hat Kunst ganz viel mit Aussage zu tun, mit einer Botschaft und einem gewissen „Wachrütteln-Wollen“. Kunst kann mit viel mehr als nur mit Worten auf Schönes, Grausames oder Ungeklärtes hinweisen. Doch oft bleibt sie auf den ersten Blick unverständlich. Seitdem ich in Kassel bei der Documenta 13 war, rätsle ich über das momentan herrschende Verständnis von Kunst. Und am vergangenen Freitag bin ich bei einer Ausstellungseröffnung wieder auf ganz viele Fragezeichen gestoßen.

Im Park am Gleisdreieck in Kreuzberg gibt es jetzt „Kunst im öffentlichen Raum“ und da fand abends auch eine Performance von Victorine Müller statt. Groß angekündigt und viel gelobt stand diese als es dunkel war von Scheinwerfern angestrahlt in einer selbst zusammengeschweißten Plastikpuppe mitten zwischen den Gleisen im Park. Ja, sie stand da einfach so herum und starrte immer nur geradeaus. „Ein Zeichen für Erhabenheit“ oder so, nannte das der Ausstellungsleiter in seiner Rede. Sorry, aber was ist daran denn bitte Kunst? Gummipuppen zusammenschweißen, das machen auch in Asien täglich viele viele Menschen in den Fabriken.

Ich möchte hier niemanden zu nahe treten, – vielleicht verstehe ich diese Art von Kunst auch einfach nicht (vielleicht bin ich zu doof dafür) – aber was soll das? Was hat das mit dem Park, mit Berlin, mit der Öffentlichkeit und mit Kunst zu tun? Das ist doch nur die Künstlerin allein, die hier im Mittelpunkt steht und viele viele Fragen aufwirft. Oder ist genau das das Ziel? Sollen wir wieder mehr Fragen stellen und nicht alles immer hinnehmen? Dann sage ich: „Gelungen!“ Zumindest ich rätsle noch, was uns die Künstlerin damit sagen wollte. Viele andere haben einfach nur geklatscht, genickt und sich über das Gratis-Bier gefreut.

Kunst ist Ästhetik und Aussage und Wirkung und irgendwie auch immer das besondere Können des Künstlers. Ob das Können im Handwerk oder in der Inszenierung liegt, muss es doch mehr sein als das Alltägliche. Damit meine ich nicht, dass nicht auch das Alltägliche Kunst werden kann, wie etwa das Zeltlager während der Documenta auf dem Friedrichsplatz. Auch hier wurden eindeutige Aussagen in die Öffentlichkeit transportiert. Aber ist es nicht fragwürdig, wenn Kunst sich nicht irgendwie auch selbst erklärt? Wenn man erst stundenlang Bücher wälzen oder Experten befragen muss, um den Sinn eines Kunstobjekts zu erschließen? Steht Kunst nicht für sich allein mit seiner Aussage oder mit seiner Ästhetik?

Ich rätsle wohl weiterhin. Denn sie bleibt nun mal subjektiv, die Kunst. Und damit auch die Tatsache, wer sich Künstler nennen darf, wer damit Geld verdient, wer damit Welten bewegt und wer damit wachrüttelt oder wachküsst. Kunst ist eben Kunst, ist Kunst, ist Kunst ……. und Freiheit.

Die Bilder sind (außer das von der Gummipuppe) übrigens alle von der diesjährigen Documenta oder drum herum entstanden. Und hier gibt es noch ein bisschen was Konkreteres von mir zur Documenta.

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