Einfach mal was Gutes tun!

Kennt Ihr das tolle Lied „Gutes tun“ von Funny van Dannen? Er singt von Kleinigkeiten im Alltag, die jeder einfach so tun kann, um anderen zu helfen. Das klingt pathetisch, ist aber eigentlich so naheliegend. Ich habe in der vergangenen Woche zwei der Berliner „Sozialhelden“ getroffen und denke seitdem übers „Gute tun“ nach und warum so viele Unternehmen momentan darauf setzen, so zu tun, als würden sie was Gutes tun. Müssen wir alle wieder ein bisschen sozialer werden? Und was hat die Wirtschaft mit einer sozial eingestellten Gesellschaft zu tun?
Krombacher rettet den Regenwald, Adidas stellt Turnschuhe für Arme her und Rewe spendet für die Tafeln. Kaum ein Unternehmen hat heute kein eigenes Projekt, mit dem es etwas für die Armen, die Kranken oder die Umwelt tut. Natürlich steht für diese Firmen vor allem das eigene Image im Vordergrund, wenn sie ihre Wohltaten mit vermeintlicher sozialer Verantwortung tarnen und dafür große CSR-Kampagnen (Corporate Social Responsibility) starten. „Green Washing“ oder „Social Washing“ nennen das die Kritiker. Doch bei all den Vorwürfen, – zum Beispiel durch die Autorin Kathrin Hartmann mit ihren Büchern „Ende der Märchenstunde“ oder „Wir müssen leider draußen bleiben“ (trotzdem sehr sehr lesenswert) – die ich auch für richtig halte, muss man doch irgendwie auch sagen: „Hey, warum nicht. Wenn es denjenigen, die damit eine Unterstützung bekommen, weiterhilft, dann kann man über das Reinwaschen auch ein wenig hinweg schauen.“
Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man sich dessen bewusst ist, dass hier eben nicht nur die Schwachen profitieren und die betreffenden Firmen vor allem eines wollen, nämlich „Verkaufen“. Andererseits weist die Tatsache, dass es so viele „Baustellen“ gibt, für die soziales Engagement und Spenden nötig sind, doch auch auf die Defizite staatlichen Handelns hin. Unser Sozialsystem hat wohl zu viele Lücken. Oder liegt es an uns selbst? Was kann, muss und sollte man selbst für Andere tun? Sind wir wirklich alle zu maßlosen Egoisten geworden?
Vielleicht fehlt uns ja einfach ein bisschen Mut zur Idee oder gar zum Idealismus, dass es möglich ist, die Welt noch zu ändern. Dass es mit einfachen Mitteln machbar ist, dass sich jeder auch ein bisschen um den Anderen kümmert und wir so alle voneinander profitieren – das klingt jetzt schon wieder total pathetisch, aber wer ist denn wirklich gerne allein und nie auf die Hilfe anderer angewiesen.
Für eine Reportage über Berliner Erfinder, die demnächst von mir erscheint, habe die zwei von den Sozialhelden getroffen. Die Sozialhelden sind ein Berliner Verein, der sich immer wieder Neues einfallen lässt, um „Gutes zu tun“. Am bekanntesten sind dabei wohl die Aktionen „Pfandtastisch helfen“ und „Wheelmap“. Aber hört doch am besten selbst zu, wie Raul Krauthausen selbst erklärt, was die Sozialhelden sind. Die Aufnahmen sind bei meinem Interview entstanden (deshalb meine „unqualifizierten“ Grunztöne im Hintergrund). Der zweite Sozialheld auf den Fotos ist Andi Weiland.
Die Sozialhelden haben meiner Meinung nach einen neuen Ansatz gefunden, den Einsatz für Soziales näher an die Menschen heranzubringen. Mit Aktionen, bei denen jeder ganz einfach mitmachen kann, der aber nicht dazu führt, jemanden anzuklagen oder Ähnliches. Es geht um ein Angebot, ein Angebot mitzumachen und einfach den Pfandbon für eine gute Sache zu spenden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Für mich war die Lehre aus dem Ganzen zuerst einleuchtend: „Mehr Soziales in die Wirtschaft“ und schon ist geholfen, aber so einfach ist es nicht. Jeder sollte schon ein Stück weiterdenken und auch mal das System hinterfragen, in dem wir leben und arbeiten. Aber damit man viele Menschen bewegen kann, braucht es in unserer komplexen Welt eben auch einfach Lösungen. Raul sagte zu meiner Frage, ob es der Ansatz der Sozialhelden wäre, mehr Soziales in die Wirtschaft zu bringen, Folgendes:
Es geht vor allem um Möglichkeiten und Chancen, die fehlen, um unsere Gesellschaft als gerecht zu bezeichnen. Aber wer ist dafür zuständig diese zu schaffen? Was können wir selbst dazu beitragen? Vermutlich sind es wirklich solche Ansätze von Angeboten, die einerseits neue Chancen für die vermeintlich Schwächeren bieten und andererseits selbst keine neue Exklusion schaffen. „Jeder kann mitmachen“ ist hierbei das Motto. Und vielleicht sollte man viel mehr anerkennen, dass solche Ansätze, heute als innovativ und fortschrittlich bezeichnet werden und nicht als erstes der Fortschritt, den große Firmen mit neuen CSR-Konzepten haben und nicht die Schönen und Reichen, die viel Geld spenden. Vielleicht ist es gerade der Einsatz im Kleineren, der überzeugt und zum Umdenken anregt. Wichtig finde ich jedoch, dass das Eine das Andere nicht ausschließen muss.
Bei der interaktiven Weltkarte für Rollstuhl gerechte Orte „Wheelmap“ ist das auch so:

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