Drama Baby, Drama

Die Suche geht weiter. Aber mittlerweile habe ich Zweifel bekommen. Ist meine Sinnsuche nicht eigentlich ein Wohlstandsproblem? Wir haben das Rumeiern schließlich von Kindesbeinen an gelernt.
Zum Suchen braucht man Zeit und Muße. Und das ist doch auch Luxus, oder nicht?
Wenn ich jetzt aber mal wirklich hart mit meiner Generation (das Wort „Generation“ alleine klingt schon gesellschaftspolitisch relevant – super!) ins Gericht gehe, dann können wir doch doch gar keine richtigen Probleme haben. 
Wer in den 80ern geboren wurde und im Westen aufgewachsen ist, hat nie Krieg, Terror oder anderes erlebt. Wir mussten nie richtig mutig sein oder etwas erkämpfen – nicht einmal mehr die Emanzipation vom Geschlechterpatriarchat. Aber gleichzeitig hat es wahrscheinlich nie so viele Diagnosen von Depressionen, Burnout, Essstörungen oder Drogenabhängigkeit (ob Gras, Koks, Schokolade oder Computerspiele) gegeben wie jetzt. Eine Generation von Memmen?
Was macht dieses ‚nie wirklich mutig sein müssen’ mit uns? Braucht man Drama im Leben, um zu leben?
Andererseits machen wir das doch ganz klug: Wir schaffen uns unsere eigenes Drama. Drama in Gedanken – wunderbar. Das ist nicht gefährlich, sicher, sauber und warm und regt trotzdem zum Nachdenken an – zumindest bei den meisten.
„Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – sagte der alte Kant so schön, obwohl er ja gar nicht wissen konnte, auf welche schlaue Art man das heute so macht. Aber vielleicht bedienen wir uns heute auch manchmal zu viel und nicht immer am eigenen Geist? Vielleicht sind auch die Medien zu mächtig (upps – wie war das mit dem Ast, an dem man nicht sägen sollte, wenn man darauf sitzt)?
Wer denkt denn heute noch wirklich selber nach? Im Zeitalter von berühmten Plagiatoren (siehe Guttenberg und Co.) muss man ja eigentlich nur wissen, wie man sich am besten nicht erwischen lässt. Wer sagt denn noch, was er denkt?
Ich stelle jetzt nicht die ganze Welt unter Generalverdacht, aber manchmal hat man schon den Verdacht, dass die versteckte Werbung von Amazon, Google und Co. sich als Denkprinzip in den Köpfen der Menschen weiterverbreitet (Hilfe ein Virus): Wenn man bei der Post einen Brief abgibt, der ins Ausland gehen soll, bekommt man gleich ein neues Konto angeboten – inklusive EC- Karte, die im Ausland gebührenfrei ist. An jeder Supermarktkasse wird man gefragt, ob man Payback-Kunde ist und beim Friseur gibt es immer eine Restaurant-Empfehlung gratis dazu wenn man nur beiläufig erwähnt, dass Sushi gut schmeckt. Die sind doch alle gekauft!
Oder habe ich Verfolgungswahn? – Ich sage doch: Wenn man keine Probleme hat, macht man sich welche. Dabei verlange ich vom Leben und von den Menschen doch nur ein bisschen Authentizität.
Ich höre auch mal ganz gerne, dass ein Text nicht gut geworden ist oder dass ich auf einem Foto (oder auch so, live und in Farbe) echt doof aussehen. Hauptsache, das ist ehrlich – und das meine ich wiederum ehrlich. Nichts ist schlimmer, als nie zu wissen, wo man steht, weil immer alle um einen herum nur säuseln.
Auch wieder so ein Problem, nur anders herum gedacht: Wer nur gefällt, wenn er sich verstellt, der macht sich doch selbst dauerhaft unkenntlich. OK, oder er hat die falschen Freunde? Oder er sucht noch? – Was ich wiederum verstehen könnte. Ach Scheiße…..
Vielleicht ist das ja aber auch genetisch bedingt? Vielleicht kann ich ja nichts dafür? Vielleicht brauche ich Drogen oder eine neue Frisur?
Das Leben ist manchmal auch wie eine Wundertüte, in die man blind reingreift.
Ich habe mir jetzt erst einmal die Fußnägel grün lackiert. Das Wochenende kann kommen!

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