Ich suche, also bin ich

Ich suche weder Arbeit, noch ein Lied, noch eine Frau oder eine Wohnung. Gibt man bei Google nur „ich suche“ ein, bekommt man als erstes automatisch diese Möglichkeiten präsentiert. Nur „ich suche“ gibt es nicht. Dabei ist das doch ein prima Lebensprinzip.

Hotlines, Psychologen oder das Internet? Braucht man immer Antwortgeber? Braucht man die Millionen an Beratungsunternehmen, an Ratgeberbüchern und Selbsterfahrungskursen oder nur ein gutes Bauchgefühl? Oder darf der Bauch auch mal grummeln, ohne dass dann das Orakel von Delphi spricht?

Eigentlich dürfte es doch gar nicht so schwer sein, die Fragen über Fragen zu beantworten, die einen so täglich treffen. Das Stichwort „gesucht“ ergibt bei Google 176.000.000 Ergebnisse, „gefunden“ ergibt 560.000.000 – also müsste „finden“ doch einfacher als „suchen“ sein. Die Trefferquote lässt hoffen. Oder mache ich etwas falsch?

Ich muss zugeben, dass ich ganz gerne suche. Also nicht nach verschwundenen Socken oder nach fehlenden Büchern oder gar nach Telefonnummern, die man sich irgendwo notiert hat und die man garantiert jetzt nicht wieder findet. Nein, eher so prinzipiell, generell und vielleicht momentan auch so als Lebensgrundlage. Ich ersuche mir eine Basis, auf der dann mal was entstehen kann. Andere erfinden und ich ersuche noch!

‚Wer gibt Antworten?’ – könnte man fragen. ‚Muss jemand antworten?’ – könnte man dagegenstellen. Vielleicht reicht es, wenn man fragt und die Antwort kommt dann von alleine. Ich hoffe noch.

Ist es zu lasch nur zu suchen und ein bisschen zu hoffen? Muss man die Antworten haben wollen und dann auch gleich etwas Gewinnbringendes daraus machen? Investieren, um dann zu profitieren? Möglichst schnell und effektiv?

Macht nur Finden glücklich oder reicht suchen?

Mit dem Finden wird man satt und träge – könnte man meinen. Mit dem Suchen bleibt man aber immer unzufrieden – könnte man sagen und weitersuchen. Muss man finden, soll man finden, darf man finden und satt weitersuchen?

‚Mach dir ma locka’ sagen viele und suchen nicht und finden nicht – zumindest nicht bewusst und schon sind sie zufrieden. Geht das? Ich hoffe nicht.

Ich suche, also bin ich.

P.S.: Ganz ohne zu suchen, habe ich das hier gefunden: Zum Thema ‚Mach dir ma locka’!

2 Gedanken zu „Ich suche, also bin ich

  1. chrigies

    GuMo JT,

    ich halte es mit der Antwort, im Sinne eines erfolgreichen Abschlusses,
    die auf eine Suche folgen muss. Sei dieser nun positiv oder negativ – aber abgeschlossen.

    Oder die Suche ist erfolglos,
    weil kein Ergebnis zu Tage kam. Sehr unbefriedigend.

    Oder die Suche selbst ist nicht wirklich essentiell – (gar existenziell?).
    Dann ist Deine angesprochene Suche, Dein vermeintliches Lebensprinzip,
    wie ich es herausgelesen zu haben vermute, ein Hobby,
    dem ganz allgemein man/ frau fröhnen mag, weil er/ sie ohnehin durchweg zufrieden scheint
    und der Suche keine nennenswerte, das Sein verändernde Bedeutung beimisst.

    Bist Du so glücklich, keine Änderung an irgendeinem Punkt Deines Lebens zu suchen?

    Aber in einem Punkt, dem Hauptpunkt,
    hast Du sowieso Recht: Der Mensch ist generell immer auf der Suche.
    Die Literatur hat’s gesagt!!

    Nach was, wie sehr, wie gerichtet, mit welcher Intention bleibt zum Glück immer individiuell, gell?

    Einen schönen Tag,
    auch wenn’s herbstlich schüttet
    Christian

    Antworten
  2. Orientierungslos

    Bei der Suche bleibt alles individuell, gell. – Oh, ja. Und die Suche ist auch irgendwie ein Hobby.

    Aber vom Suchen erwarte ich mir auf jeden Fall in den einzelnen Punkten auch ein Ergebnis. Die Suche ist für kein Wohlstandsproblem.

    Doch nach dem Finden in einem Punkt kann das Suchen nach etwas Neuem in einem anderen auch weitergehen. Alles entwickelt sich weiter und die Möglichkeiten werden immer mehr. Kann man da stillstehen? Wird es dann nicht langweilig?

    Ständige Änderung ist doch genauso ein Lebensprinzip.

    Ich weiß nicht, ob ich glücklich oder unglücklich bin – auch danach suche ich noch.

    Antworten

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