Ein Plädoyer für Langeweile

Die Tage werden geschluckt, die Wochen und Monate und man selbst gleich mit dazu. Kennt ihr den Moment, in dem die Zeit ein Eigenleben bekommt und man selbst nur noch hinterherrennt?

Die vergangenen Wochen sind einfach nur gerast. Sie sind passiert, geschehen und vergangen. Einfach so geflutscht. Und irgendwie hatte ich das Gefühl fast unbemerkt einfach so mit zu flutschen – ohne Einfluss auf das Geschehen.

Jetzt ist schon wieder Montag und der Terminkalender für die Woche ist voll. Das soll jetzt nicht nöhlig  klingen oder nach „oh, was für ein Stress„, sondern einfach nur verwundert über die Zeit, die verrinnt und man kann sie nicht festhalten. Vieles geschieht einfach nur so und ehe man sich versieht ist es vorbei – unbemerkt und unheimlich schnell.
Ich bin zwar auch froh, dass alles so flutscht, aber manchmal wünsche ich mir auch Langeweile. Einfach so dasitzen und nichts tun oder ganz ungeplant etwas tun. Einfach so mal zuschauen bei was auch immer und nicht handeln. Einfach mal nicht an die Zeit denken, nicht auf die Uhr schauen und nicht an das denken, was noch ansteht, erledigt werden muss oder was man nicht verpassen darf.
Die Zeitdiebe – die Grauen Herren wie sie bei Momo so wunderbar beschrieben werden – lauern doch überall. Und sie rauben einem nicht nur Zeit. Sie nehmen viel mehr mit: ganz viel Gefühl.
Alles wird immer mehr auf Effizienz getrimmt und dabei kontrollieren wir uns ständig selbst. Nicht falsch verstehen: Ich bin einerseits schon der Meinung, dass mein Smartphone mir vieles erleichtert und die ständige Erreichbarkeit ermöglicht es einem auch, flexibler zu sein und so. Aber gleichzeitig verlernt man doch auch die Zeit zu schätzen und es sich zu trauen, Zeit einfach mal zu vergeuden.
Gerade wenn man viel um die Ohren hat, schätzt man freie Zeit unheimlich. Aber gleichzeitig nimmt auch der Druck zu, die freie Zeit möglichst effizient zu nutzen – weil sie doch so kostbar ist.
Könnte man die Zeit zwischendurch einfach mal anhalten, – nur ein paar Sekunden – um sich selbst dabei zuzusehen, wie man gegen die Zeit anrennt und sie doch nicht aufhalten kann, ich würde es tun. Dann würde man vielleicht auch mal realisieren, dass man ganz schön viele sinnlose Dinge tut. Dann hätte man bestimmt auch wieder ein wenig Zeit für Langeweile. Dann würde einen bestimmt auch öfter die Muße küssen und man doch wieder effizienter in dem was man tut – nur anders und bewusst.

Ein Gedanke zu „Ein Plädoyer für Langeweile

  1. Rudi

    Du weißt doch, Zeit ist relativ. Und von dem, der das herausgefunden bzw. bewiesen hat stammt der Spruch: „Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“ Also carpe diem!

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