Wer spielt gern die "Quotenfrau"?

Es gibt nichts Schlimmeres als deutsche Geschlechterpolitik. Das Land der Dichter und Philosophen, der technologischen Weltmarktführer und Mülltrenner ist in Sachen Gleichstellung, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit auch beim Thema Kinderbetreuung so was von hinten dran. Als Frau muss man sich da echt fragen, ob man nicht besser auswandert.
Ok, das war jetzt vielleicht doch etwas übertrieben. Ich finde es ja gut, wenn über Themen, die die Geschlechterpolitik betreffen, ausgiebig diskutiert wird. Aber mal im Ernst: Ist es nicht auch peinlich, wenn wir im Jahr 2013 so lange auf Themen wie Frauenquote, Kita-Ausbau und dem gleichen Lohn für gleiche Arbeit herumkauen wie im Moment immer und immer wieder?

Königsdisziplin Kompromiss

Während Deutschland noch grübelt und Vermittlungsausschüsse einberuft, um die Entscheidung dann wieder auf 2020 oder so zu vertagen, ist es in anderen Ländern schon eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen nach der Geburt eines Kinder nicht jahrelang zuhause bleiben. Dass Frauen nicht nur als Quotenfüller Chefetagen erreichen und dass Männer Teilzeitjobs annehmen.
Auch wenn das ewige Klischee der Rabenmutter langsam verschwindet, wird jetzt sofort die Frage gestellt: „Warum soll ich denn ein Kind bekommen, wenn es dann vonanderen groß gezogen wird?“ – Aaaahhh ….. Schon mal was von Kompromissen gehört, von Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau, davon, dass Qualität zählt und nicht immer Quantität bei der Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt!?
Dazu passt dann das gerade allseits beliebte Thema Kita-Ausbau. Ja es fehlen Betreuungsplätze und das in der Masse. Bei dem ganzen Ausbau denkt aber niemand daran, die neuen Angebote gleich mal an die Realität auf dem Arbeitsmarkt anzupassen. Standard sind immer noch Öffnungszeiten bei den Kitas von 8 bis 18 Uhr. Und wenn es mal etwas Neues gibt wie Angebote, bei denen die Betreuer stundenweise nach Hause kommen und ungewöhnliche Arbeitszeiten ausgleichen, besteht so etwas nur mal als Test – als Projekt, dass das schnell wieder abgeschafft werden kann. Oder noch besser: Man beschließt stattdessen eine Herdprämie.

Vater, Mutter, Kind, basta

So geschehen ist das mit den Projekten in Berlin in den vergangenen Jahren. Ich habe darüber geschrieben und mit vielen Leuten gesprochen. Alle finden es gut und vor allem nötig, aber keiner gibt Geld, um solche Projekte zu finanzieren. Betreuungseinrichtungen, die auch nachts oder am Wochenende offen haben, sind – wenn dann – privat organisiert (eigentlich nicht schlecht) und tierisch teuer (Ausschlussprinzip für den Normalbürger).
Nicht dass mich jemand falsch versteht: Es geht nicht darum, Kinder jetzt auch zu zusätzlichen Zeiten an andere abzugeben, sondern stattdessen. Eben zu den Zeiten, zu denen man arbeiten muss oder sogar will (das soll es auch bei Frauen geben). Gerade in der Dienstleistungs- und Freiberuflermetropole Berlin dürfte das eigentlich Standard sein.
Vater, Mutter, Kind, dazu einer (ich betone einer), der in Vollzeit arbeiten geht und wenn man Glück hat, einen Norm-Kita-Platz – so sieht es auch im Jahr 2013 aus und das trotz der ganzen Diskussionen. Ich finde das echt schade.

Ich bin feige

Genauso die Diskussionen um die Frauenquote: Da wird so lange darauf herumgeprügelt, bis man sich als Frau so vorkommt, als würde man etwas ganz Absurdes fordern. Frauen sollen mehr Chancen bekommen, auch mal in den Chefetagen mitzumischen – und das nicht nur wegen der Softskills, die ja so wichtig sind. Das nur über eine Quote zu regeln, hat meiner Meinung nach trotzdem ein „Geschmäckle„. Ich weiß nicht, ob damit die Schranken endlich fallen, dass man Frauen im Beruf mehr zutraut. Ich würde ehrlich gesagt nicht die „Quotenfrau“ sein wollen – auch wenn ich weiß, dass sich ohne eine Quote wahrscheinlich gar nie etwas ändert. Um die Quotenfrau nur als Role Model zu spielen, muss man echt Mut haben.
Auch hier kann es doch nur besser werden, wenn selbstverständlich wird, was eigentlich selbstverständlich ist. Es gibt solche und solche, bei den Männern und Frauen und nicht nur Rollen zu erfüllen. Männer am Herd müssen keine Weicheier sein (ich habe da Erfahrungswerte) und Frauen, die arbeiten wollen (so richtig mit Spaß und weil es eben selbstverständlich ist), müssen keine Haare auf den Zähnen haben, kinderlos bleiben wollen oder Angela Merkel heißen.
Vergesst die Quoten. „Mensch sein“ ist das neue Role Model!

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