Der erhobene grüne Zeigefinger

Bienenwunder

Bienenwunder

Oh Mann, wir begehen gerade Selbstmord auf Raten. Stück für Stück machen wir uns und unsere Umwelt kaputt. Auch wenn das jetzt echt sehr pathetisch klingt. Aber in den vergangenen Tagen bin ich immer wieder auf Themen gestoßen, die mich grübeln lassen.

Gestern war ich bei einem Symposium des Deutschen Apitherapie-Bunds – lauter Imker, Ärzte und Heilpraktiker, die sich damit befassen wie man mit Bienenprodukten Menschen heilen kann. Ich bin echt verblüfft, was alles möglich ist und was unter anderem Honig so kann. Kleiner Tipp: Die verschiedenen Honigsorten haben nicht nur einen unterschiedlichen Geschmack, sondern auch einen unterschiedlichen Nutzen. Lindenhonig wirkt fiebersenkend, Waldhonig hilft am besten gegen Husten und Akazienhonig besonders antibakteriell.

Fast noch beeindruckender fand ich allerdings, was Propolis (Harz, mit dem die Bienen den Bienenstock abdichten) alles kann. In Tinkturen und Salben kann es sogar als Ersatz für Antibiotika dienen. Und einen Ersatz bzw. einen anderen Umgang damit haben wir dringend nötig. Ich bin wirklich froh, dass ich in meinem Leben bisher kaum Antibiotika geschluckt habe. Denn in Deutschland tobt echt ein Antibiotika-Wahnsinn.

Gegen jedes kleine Wehwehchen verschreiben die Ärzte heute Antibiotika. Aber noch krasser ist der Einsatz in der Massentierhaltung – deren Ergebnis dann auf unseren Tellern landet. Wen es dann mal so richtig erwischt, könnte Pech haben und kein Mittel wirkt mehr. In manchen Ställen wird Antibiotika angeblich schon in mehrfacher Dosierung angewendet: im Futter, da es Appetit anregend wirkt, in der Luft und im Wasser, da die geschwächten Tiere, ja sonst an jedem kleinen Bakterium sterben könnten, mit dem sie in Berührung kommen. Arme Viecher.

Ständig ein schlechtes Gewissen ist auch doof

Grübeln lässt mich daran vor allem, dass es heute Alternativen für Probleme gibt, die uns alle betreffen und die einfach ignoriert werden. So auch die Apitherapie, in die ich nun einen kleinen Einblick bekommen habe und an der ich thematisch auf jeden Fall dranbleibe. Viele der Methoden haben es schwer, anerkannt zu werden – auch nur, wenn sie die herkömmliche Medizin unterstützen.

Naja, dann ist da noch der Klimawandel. Natürlich ist der nicht nur in den vergangenen Tagen präsent, aber oft vergisst man ja im Alltag, dass jeder einzelne etwas dagegen tun kann. Für die taz.am Wochenende habe ich einen Artikel über meine persönliche CO2-Bilanz geschrieben und dabei gemerkt, dass das Thema im Alltag oft nicht so präsent ist wie es sein könnte.

Ich will jetzt nicht die volle Anklage auspacken und wir sollten auch nicht alle mit einem ständigen schlechten Gewissen herumlaufen. Der eigenen Alltag zu überprüfen, lohnt sich trotzdem. Meine Bilanz ist zwar grundsätzlich gar nicht so schlecht, aber mein Auto versaut meine Werte dann doch ein bisschen. Egal, ob Winteranfang oder nicht: Ich muss wieder mehr Radfahren. Ich suche am besten schon mal die Handschuhe – so schwer ist das in der Stadt nun auch wieder nicht. Und an alle Berliner: am 30. November ist Demo für die Energiewende. Bitte alle hingehen. Will jemand mit mir ein Plakat malen?

Schwermachen will uns den normalen Umgang mit den normalen Dingen und vor allem mit uns selbst auch die Politik. So plädieren hier in Berlin immer wieder Bezirkspolitiker, dass sich die Bürger mehr einbringen sollen und meinen damit, dass wir Personen, die durch den Kiez laufen und irgendwie verdächtig aussehen, melden sollen (potenzielle Einbrecher und so) oder dass man Falschparker beim Ordnungsamt verpetzen soll. Dafür gibt es für Pankow sogar schon eine eigene App.

„Miteinander“ geht auch analog

Auch darüber habe ich geschrieben und bin froh, dass der Charlottenburger Stadtrat bislang gegen diese App ist. Eine Online-Umfrage dazu zeigt allerdings, dass viele Bürger eine solche Möglichkeit nutzen würden. Etwas erschreckend, wenn man mich fragt. Hätten wir nichts besseres zu tun als uns gegenseitig anzuscheißen? Ich finde es irgendwie traurig, wenn sich Engagement für ein gutes Miteinander jetzt über solche Wege zeigt. Technik, die begeistert.

Und dann noch was zum Schmunzeln (das fällt mir beim Thema Technik ein): Eine andere Umfrage – diesmal vom Energiekonzern Eon, hat ergeben, dass heute mehr Menschen auf das Handy ihres Partners eifersüchtig sind als auf eine andere Frau oder einen anderen Mann. Und das alles nur, weil einem diesen Geräte und die unendlichen Möglichkeiten des world wide web soooooo unendlich viel Zeit rauben.

Tja, da muss man dann eben einfach mal Prioritäten setzen und einen Punkt machen können und dann aufhören, wenn es am schönsten ist und sich wieder der realen Welt zuwenden und …… PUNKT

Das waren noch Zeiten

Das waren noch Zeiten als solche Technik uns analoge Freizeit ließen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *