Meckerziege Deutschland

FrustArbeiten ist Pflicht und alles andere die Kür. Wochenende top und der Rest ein Flop. Geht es euch auch so? Habt ihr auch die Nase voll von dem ganzen Stress und würdet am liebsten die Sofortrente irgendeiner Lotterie gewinnen, um dann nie wieder malochen zu müssen?

Ich finde es so schade, was man zu hören bekommt, wenn man irgendwie, irgendwo, irgendwann mal das Thema Arbeit anspricht. Da wird gemeckert und gemotzt und jeder ist nah dran am Burnout. Sorry, aber meist sind das doch Luxusprobleme.

Jetzt ein paar Floskeln: Arbeiten kann doch auch Spaß machen. Man kann – zumindest versuchen – Sinnvolles zu tun und sich mit spannenden Menschen, Ereignissen und Dingen auseinandersetzen. Man kommt unter Leute, verdient Geld und ist ja irgendwie auch selbst verantwortlich für das, was da jeden Tag passiert. Oder nicht?

Schluss mit den Floskeln: Ich arbeite meistens gern (auch wenn ich zugebe, dass ein Homeoffice manchmal einsam sein kann) und ich möchte jetzt hier nicht diejenigen in unserer Gesellschaft (von der ich in meinen Texten immer erst einmal ausgehe: Deutschland, Europa, westliche, relativ abgesicherte Welt) anklagen, die sich mit mies bezahlten Jobs rumschlagen müssen, weil sie keine andere Chance bekommen, weil die krank sind oder weil sie auf irgendeine andere Art in Not sind. Aber nicht selten treffe ich Leute, die gut ausgebildet sind, eigentlich einen guten Job haben, mit dem sie gutes Geld verdienen und trotzdem meckern sie an einer Tour übers Arbeiten. Aber wer oder was hindert sie daran, etwas zu ändern?

Mit dem ganzen Meckern macht man sich aber doch eigentlich nur das Leben schwer. Und man versaut sich den Spaß? Wir leben doch eigentlich hierzulande in so einer dicken, abgesicherten  Wohlfühloase und haben nichts Besseres zu tun, als uns zu beklagen. Geht es uns zu gut?

Macht der Arbeitsmarkt den Stress oder machen wir ihn selbst?

Beispiel: Ganz oft, wenn ich zum Wochenanfang die Statistik der Nachrichten-Website aufrufe, für die ich arbeite, lautet die meist gesuchte Wortkombination „Krank melden“ und die passenden Beiträge dazu sind am frühen Morgen die meist geklickten Meldungen. Montagmorgen scheint ein Synonym für Null-Bock-Stimmung. Auch wenn die meisten dann doch nicht zur Tat schreiten, hat die Option der Krankschreibung wegen was auch immer seinen Reiz. Alles Kopfsache. Sind es die vielen Optionen, die lähmen?

Immer und immer nur Kopfsache. Warum bloß sind wir heute so enorm unzufrieden? Warum steigern wir uns so gern in alles hinein – entweder in den Stress oder in die dicke Karriere? Warum geht scheinbar so wenig dazwischen? Die einen haben so viel Arbeit, dass sie nicht wissen, wie sie richtig damit umgehen sollen und die anderen bekommen keine ab und werden deshalb depressiv. Wunderbares deutsches Jobwunder.

Ich liebe den Spruch: Wenn Du Dein Hobby zum Beruf machst, musst Du nie wieder arbeiten. Das ist auf jeden Fall wahr. Aber egal, wie viel ich trainiere,  zur Profi-Sportlerin wird es wohl nicht reichen.

Spaß bei Seite. Ernst komm rüber.

Kommt es wirklich nur auf die innere Einstellung an? Es klingt mal wieder pathetisch, aber ich trainiere wirklich daran, irgendwann nicht mehr das Gefühl zu haben, etwas machen zu müssen, sondern nur noch zu wollen. Klar, jeder hat mal ’nen schlechten Tag und es gibt immer Dinge, Personen und schlechtes Wetter, das einem auf die Nerven geht. Aber die grundsätzliche Haltung ist es doch, auf die es ankommt. Das berühmte halb volle Glas eben.

Laut einem Artikel des Karriere-Spiegel braucht man nur den richtigen Coach und schon kann man den Jobwechsel vergessen und sich das Vorhandene so zurechtbiegen, dass man wieder damit klarkommt. Klingt mir irgendwie zu einfach. Und Patentrezepte sind im Zeitalter der Individualisten doch sowieso unangebracht. Wer etwas ändern will, der sollte es auch tun – finde ich. Und wer zufrieden ist, sollte auch das mal anerkennen.

Außerdem sind Patchwork-Biografien heute nicht nur ein doofes Schicksal, sondern auch eine Chance. Verschiedene Jobs und verschiedene Erfahrungen machen das Leben viel spannender! Die Minimal-Absicherung  garantiert der Staat (auch wenn einige jetzt anmerken werden, dass ein Leben als Hartz-IV-Empfänger kein Honigschlecken ist) und wer mehr will, muss sich sowieso ganz alleine darum kümmern.

Es ist so typisch deutsch, dieses sich hineinsteigern in die Probleme von anderen. Denn schließlich gibt es auch Leute, die haben wirklich psychische Krankheiten und manchmal habe ich das Gefühl, das genau diese Menschen in der Masse der scheinbaren Depressiven nicht mehr erkannt wird. Mitfühlen ist gut, aber es muss doch nicht jeder alles gleich auf sich übertragen.

Statt Meckern einfach mal an den nächsten Urlaub denken, das hilft immer!

Urlaub

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