Schönheitswahn: Die Wurst macht mit

WeltSeit etwa fünf Jahren esse ich wieder Fleisch. Fast zehn Jahre hatte ich es ohne geschafft. Aber seitdem es so gute Möglichkeiten gibt, Bio-Fleisch und Bio-Wurst zu kaufen, bin ich aus dem Club der Vegetarier ausgetreten. Fleisch gibt es bei uns aber trotzdem nur so einmal die Woche und dann richtig vom Metzger oder aus dem Bio-Laden.

Warum? Weil’s schmeckt und weil ich wirklich ständig Eisenmangel hatte. Alle überzeugten Veganer mögen jetzt lachen und sagen, dass das nicht stimmen kann und dass man nur genug Bohnen essen muss. Aber Bohnen mag ich nicht in solchen Mengen. Quatsch bei Seite. Man kann bestimmt auch normal, lecker und gesund vegan essen. Aber ohne mich. Selten und wenn dann gutes, faires Fleisch, finde ich Ok. Wie immer macht es hier die Masse.

Erschreckend finde ich es trotzdem, wie hier die Fronten aufeinander knallen. Die einen brauchen ihre Fleischberge und die anderen den Verzicht und beide sind oft dogmatisch ohne Ende. Ich habe gerade was über Bioland-Metzger geschrieben, die trotz des ganzen Bio-Booms noch in einer Nische sitzen. Graue Wurst will keiner – egal ob bio, öko und gesund. Schade.

Grau ist die Wurst aber auch nur deshalb, weil sie ohne Nitritpökelsalz hergestellt wird und von dem wiederum weiß noch immer keiner, ob und wie schädlich es ist – so ein bisschen wie bei der Gen-Technik und beim Thema Nano-Partikel.

Waren es einst die krummen Gurken, die aussortiert werden mussten, weil sie zu hässlich für die aufgepeppten deutschen Gemüseabteilungen waren (Stichwort: Sprühnebel und  gelbes Licht). So ist es jetzt die Bioland-Wurst, die diskriminiert wird. Und das obwohl sie gesünder ist für Mensch, Tier und Umwelt. Sauerei!

Steckt hinter der Bio-Welle nur Lifestyle oder mehr? Minimum-Bio ist ok, solange es auch Tütensuppen und Fertig-Pizza im Ökoformat gibt, oder wie? Klar, zwischen EG-Bio und Bioland gibt es Unterschiede und ich esse schließlich auch wieder Fleisch, weil mir Anderes zu langweilig war. Aber ein bisschen hinterfragen, müsste schon drin sein.

Und natürlich ist es auch eine Kostenfrage. Aber wie gesagt: die Masse macht’s.

Für den Artikel habe ich lange mit einem Metzger telefoniert und auch der hat am Telefon fast hörbar ständig mit dem Kopf geschüttelt, über das was in der großen weiten Welt und in der passenden Industrie dazu passiert: weil es eben auch anders geht als mit Masse pur – egal ob Biomasse (man denke jetzt bitte im übertragenen Sinn auch an die Vermaisung der Landschaften) oder die „herkömmliche“. Und manchmal muss es noch nicht einmal mehr sein als das staatlich vorgegebene bio, sondern nur vom Bauern nebenan.

Update (heute am 6. November): Habe heute noch mit dem Sprecher des Deutschen Fleischerverbands telefoniert. Er denkt, dass der Bio-Boom etwas überbewertet wird und vor allem ein Großstadt-Phänomen ist. Bio werde bald von dem Trend zu regionalen Lebensmitteln abgelöst. Finde ich gut! – Passend dazu gibt es gerade übrigens den nächsten Gammelfleisch-Skandal. Da sieht man, was das ganze Fleisch hin- und hertransportieren bringt. Ein neues Etikett nach dem anderen, bis keiner mehr weiß, was drin ist und wo es herkommt.

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