Dauerbeschleunigt

SchildWas ist das nur mit dieser Entschleunigung? Überall liest, hört und sieht man sie.

Radio eins hat gleich einen ganzen Monat der Slowtime gewidmet. Die taz.am wochenende legte mit „Momentan ist echt stressig“ sein letztes Wochenend-Schwerpunktthema darauf und sogar die Politik steigt mit in die Diskussion ein. Zumindest hat es Manuela Schwesig mal versucht mit dem Vorschlag jungen Eltern mehr Teilzeitarbeit bei vollem Lohnausgleich zuzugestehen – auch wenn sie von der Wirtschaft dafür gleich abgewatscht wurde.

Spürt ihr sie schon? Ich nicht. Bei mir fühlt sich alles seit dem Jahresanfang sogar noch viel beschleunigter an als vorher. Dabei würde auch ich so gerne mitmachen. Aber wie fängt man an?

Eigentlich ist die ganze Entschleunigungswelle echt paradox. Es ist eine Leistungsspirale. In dem taz-Artikel ist das ganz schön beschrieben: Die moderne Gesellschaft sei ein Perpetuum mobile heißt es da. Denn um unsere immer knappere Zeit zu nutzen, entwickeln wir neue Technik. Da diese aber zum Standard wird, brauchen wir mehr und mehr, um uns wieder abzuheben von den anderen. Ein Teufelskreis.

Wir nutzen die Spielräume nicht mehr, die wir uns mit der ganzen Technik, den flexiblen Arbeitszeiten und so schaffen. Stattdessen stopfen wir sie voll mit Neuem und Neuem und Neuem. War es früher noch die Ausnahme, dass jemand Bereitschaftsdienst hatte, so ist auch das zu einer selbstauferlegten 24-Stunden-Aufgabe geworden. Das Handy auf dem Nachttisch und bloß nichts verpassen. Bringt das wirklich Flexibilität oder gar Freiheiten oder schränken wir uns eher immer mehr ein? Immer den Kopf voll statt mal frei für Neues oder einfach Nichts?

Immer wieder tauchen in letzter Zeit Geschichten auf von Menschen, die bewusst auf die Karriere verzichten, um einfach Zeit zu haben. Freiwillig in Teilzeit zu arbeiten und das vielleicht sogar in den ersten Jahren nach der Berufseinstieg (die wichtigsten, in denen man die Grundlagen legt, die Kontakte knüpft und richtig was leistet), klingt für manche wie eine Schwäche. Doch immer mehr sehen das auch als Stärke an. Und das ist es doch auch, wenn man damit glücklich ist und das ganz bewusst so entschieden hat.

Aber wann droht der Moment, in dem man dann vielleicht nicht mehr zurück kann in die schnelle Welt?

Die Kunst liegt wohl darin, eine Entscheidung zu treffen – auch wenn das schwerer ist als vieles andere. Zu wissen was man will und was man bewusst ablehnt. Nicht leicht bei den vielen Optionen. Aber leben, sehen, hören, nutzen und verstehen wird man sie sowieso nicht alle können. Egal wie flexibel man ist.

Naja, jetzt ist erst einmal Wochenende. Morgen große Demo und am Sonntag vielleicht einfach mal das große Nichts. Obwohl: Ich könnte mal wieder Löcher in die Luft starren oder Wolken zählen oder ……………….

Feld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *