All you can consume

KaffeeOstermontag 14.30 Uhr. Der Kaffee ist leer. Keine Pads und auch kein Pulver ist mehr da, das man in einer Tasse aufbrühen kann. Verzichten geht irgendwie nicht. Also los zu Ullrichs am Zoo.

Und hier tobt der Wahnsinn. Ich bin nicht die Einzige, die nicht verzichten kann. Da werden ganze Wocheneinkäufe erledigt. In der Schlage an der Kasse stehen Menschenmassen. Viele mit nur ein paar Alltagsdingen in der Hand, Toastbrot, Zahnbürsten und Milch. Andere mit Blumen und Pralinen. Die meisten – mein grobes Schätzen ergab mindestens jeder Zweite – kauft Alkohol.

Sekt, Wein, Bier und Schnaps. Ullrichs soll da eine gute Auswahl haben, habe ich schon oft gehört, und bedient damit so manch eine Feier und manch einen Frust an Wochenenden und Feiertagen.

Die ständige Verfügbarkeit ist Alltag. Bei mir war es gestern nur der Kaffee, auf den ich nicht warten konnte. Bei anderen die Marmelade oder das Deo. Und warum? Nur weil es ja möglich ist – sogar scheinbar ohne Aufpreis? Brauchen wir das wirklich? Was hätte ich gestern ohne Kaffee gemacht? – Wahrscheinlich Tee getrunken und sonst nichts anderes. Ich wäre weder verdurstet, noch schon vor dem Tatort eingepennt oder gar vor Ungeduld auf den nächsten Einkauf zu regulären Zeiten verrückt geworden.

Es wäre einfach gar nichts passiert.

Das beweist auch das Phänomen, dass man Dinge, die zum normalen Alltag zuhause gehören, meist nicht vermisst, wenn man mal woanders ist. Im Urlaub zum Beispiel – zumindest wenn man dabei wirklich die Strukturen verlässt, in denen man sich sonst so bewegt. Wenn man zum Beispiel auf einem Berg sitzt oder im Kanu und paddelt oder etwas Ähnliches. Wenn man Menschen trifft, die anders mit den Dingen umgehen, andere Kulturen oder nur andere Essgewohnheiten und Tagesabläufe.

Gleitschirm

Ich war kürzlich mal wieder in Italien (diesmal nicht im überzivilisierten Mailand), zum Gleitschirmfliegen in den Bergen. Es war wunderschön und vor allem: ich war nicht einmal in einem Supermarkt, die Internetverbindung der Herberge war kaputt und auf dem Berg, auf dem wir manchmal Stunden verbrachten bis das Wetter passte, gab es Null Empfang. Null Verfügbarkeit und wenn die Stulle aufgegessen war, die man sich morgens eingepackt hat, gab es erst einmal nichts mehr bis zum Abendbrot. Aufgefallen ist das kaum, kaum Hunger, kaum Wünsche, kein Mangel.

Natürlich hat das italienische Essen am Abend in der Herberge herrlich geschmeckt und es sollte ja auch keine Fastenkur sein (und war es sicherlich auch nicht). Trotzdem ist mir klar geworden, wie stark der Alltag vom Konsum bestimmt ist. Der Besuch bei Ullrichs hat das nochmals schön verdeutlicht. Ohne Rasiercreme, Schokokekse, Weißwein, Kaffeepads Spülschwämme, Nagelfeilen und Vollkornspaghetti kann man keinen Ostermontag überleben. Schon klar.

Berg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *