Wahre Künstler, diese Bienen

Gitter2Ich wusste bis vor kurzem nicht, dass sich Ahornhonig sanft an den Gaumen legt und kräftig fruchtig schmeckt, dass ein Bienenvolk es wirklich schafft, innerhalb von einer Woche mehrere Kilo Honig zu sammeln, dass warmes Bienenwachs Gläser, Tassen und Teller im Nu fast unreparabel verklebt und dass Bienenstiche auf der Nase eher zu einem dicken Auge als einer geschwollenen Nase führen. Jetzt bin ich schlauer. Und trotzdem noch maßlos begeistert von der Imkerei.

Unser erstes Bienenjahr ist auf dem Höhepunkt angekommen. Unsere Bienenvölker sind proppevoll, die Honigeimer stapeln sich in der Küche, das Imkermaterial in der ganzen Wohnung und bald geht der Honigverkauf los. Wahnsinn, was ich alles gelernt habe in den vergangenen Wochen – von den Bienen, der Natur, den Jahreszeiten und mir selbst. So wusste ich bis vor kurzem auch nicht, dass ich bald in der Lage sein werde, volle Honigzargen quer über Wiesen und mehrere Stockwerke hinauf zu schleppen. Ja, die Imkerei bietet auch ihr ganz eigenes Sportprogramm.

Da das Bienenjahr einen anderen Rhythmus hat als unser Jahr, müssen wir jetzt sogar bald schon ans Einwintern denken. Obwohl die Stadt den Bienen ein dick bepacktes Pollen- und Nektarangebot bietet, gibt es in der Natur auch hier nicht mehr lange viel zu finden. Auf dem Land geht das teilweise noch schneller, da dank unendlichen Mais- und Getreidefeldern ohne Blühstreifen für die Bienen kaum mehr was zu finden ist.

Aber auch in der Stadt wird es knapper: Die letzten Linden verblühen bald, dann kommen noch die Wohlduftrauten und mit ein bisschen Glück gibt es ein wenig Honigtau an Nadelbäumen. Aber dann ist es für dieses Jahr auch hier vorbei und die Bienen sind nicht mehr mit dem Vermehren, sondern nur noch mit der Vorratshaltung beschäftigt. Dass das, was sie leisten einfach der Wahnsinn ist, kann man kaum zu wenig betonen: Für eine 25-Gramm-Portion Honig wie sie etwa auf eine Frühstücksstulle passt, fliegt eine Biene etwa 3.000 Kilometer.

Fluglochwachen

Aber nicht nur das. Was ich so besonders faszinierend finde, ist das Funktionieren des gesamten Bienenvolkes als Ganzes. Die wissen wirklich, was Teamwork heißt. Außerdem ist ihr gesamtes Handeln an den Rhythmus der Natur angepasst, an die Sonnenstunden, Wetter, Wärme und Fülle an Nahrung. Dagegen sind wir ganz schön unangepasst, wenn man sich den menschlichen Alltag mal anschaut.

Aber ich will auch nicht verschweigen, dass die Imkerei auch Arbeit ist. Nächtelanges Honigschleudern macht unheimlich Spaß, aber kann auch ganz schön anstrengend sein. Doch die süße und zugleich gesunde Belohnung, die man dann bekommt, die beste Entschädigung.

Früher war Honig für mich nur flüssig oder cremig. Ich habe ihn aufs Brot oder in den Tee genossen. Dass er aber so unterschiedlich schmecken, ja dass man sogar einzelne Nektarquellen herausschmecken kann, dass er sich in Farbe, Konsistenz, Geschmack und Geruch so stark unterscheidet, hätte ich nicht gedacht. Eine wahre Gaumenschule.

Genug geschwärmt. Hier noch ein paar Eindrücke in Bildern von unserem ersten Bienenjahr. Ich freue mich, noch so viel mehr von den Bienen und über den Honig zu lernen.

Übrigens: Wer unseren Honig probieren möchte, kann entweder am kommenden Samstag zum Stadthonigfest in den Prinzessinnengarten kommen oder online bestellen.

Wahre Künstler, diese Bienen.

2 Gedanken zu „Wahre Künstler, diese Bienen

  1. Thomas

    Ein wunderbarer Artikel, der Lust macht selbst Bienen zu halten! Hm, nach Wollschweinen, Sulmtaler Hühnern also jetzt Bienen? Irgendwie werden die Tiere immer kleiner 🙂 Ich denke mal drüber nach…
    Jedenfalls viel Freude weiterhin mit den Bienen!
    Schöne Grüße
    Thomas

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  2. Jana Artikelautor

    Danke Thomas. Ich kann nur sagen, dass es sich lohnt mit der Imkerei anzufangen. Und zu Hühnern und Schweinen passen sie perfekt :-). Du scheinst ja einen richtig kleinen Bauernhof zu haben!? Grüße von Jana

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