Hanf – ein vergessener Rohstoff

Hanfpflanzen Energiewende klingt so positiv, so grün, bio und fairtrade. Das was EU und Bundesregierung daraus machen, hat mit einem ökologischen Neuanfang allerdings nicht unbedingt etwas zu tun. Viel ist bereits gesagt und geschrieben worden über die Kohlewende, über die Vermaisung der Landschaften, über die Tank-Teller-Debatte und über den Solarboom, von dem sich viele nicht nur eine grüne, sondern eine goldene Nase versprochen hatten.

Ich habe mich dagegen in der letzten Zeit einem anderen Thema gewidmet: dem Faserhanf – und damit auch den nachwachsenden Rohstoffen und deren Bedeutung für die Energiewende.

Der Anbau von Faserhanf hat hierzulande eigentlich eine lange Tradition. Er gedeiht auf fast allen Böden problemlos, braucht kaum Dünger und keine Spritzmittel. Aus seinen Fasern kann man Textilien herstellen, Dämmstoffe und vieles mehr – sogar Katzenstreu. Doch mit dem Thema sind auch eine Menge Vorurteile verbunden. Nicht dass mich jemand falsch versteht: Ich schreibe hier über Faserhanf Cannabis Sativa, ohne die berauschende Wirkung des THC. Leider wird beides oft miteinander in Verbindung gebracht und so war der Faserhanfanbau auch lange Zeit verboten in Deutschland und einigen anderen Ländern.

Seit Mitte der 90er darf er auf deutschen Feldern wieder legal angebaut werden. Einen Durchbruch hat er allerdings bis heute nicht erlebt. Die Anfangseuphorie nach der Legalisierung ist schnell verebbt. Gab es in den ersten Jahren noch eine Anschubförderung, so bekommen Landwirte heute die gleichen Flächenprämien wie für andere Feldfrüchte auch. Doch der Hanf hat starke Konkurrenz und wenig Absatzmärkte.

Die stärkste Konkurrenz ist derzeit Mais, der meist für die Energieproduktion in Biogas-Anlagen angebaut wird. Die Biogas-Anlagen sind gefräßig und wer seine Ernte dort unterbringt, bekommt meist einen sehr guten Preis. Welche Folgen diese Monokulturen für die Umwelt haben – für die Bienen und andere Insekten – fließt in die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht ein. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass die politische Energiewende deutliche Spuren hinterlässt.

Beim Hanf oder besser gesagt den Dämmstoffen und anderen Baumaterialien, die man aus Faserhanf herstellen kann, wird das noch deutlicher. Die Energiewende hängt auch direkt zusammen mit strengeren Energieeinsparvorgaben bei Neubauten. Wer dagegen ein älteres Haus dämmt, bekommt dafür Förderkredite. Zudem wollen viele Eigenheimbesitzer Energiesparen, denn die wird immer teurer. Also wird gedämmt und das wird gefördert. Mit was die Häuser von innen, außen, oben und unten eingepackt werden, ist dabei allerdings egal. Und so greifen die meisten auf Plastik zurück – meist auf giftige geschäumte Kunststoffe. Welche Umweltbilanz das hinterlässt, wird wiederum schön vernachlässigt. Alles unter dem Deckmantel der Energiewende.

Vor einigen Tagen war ich bei der Faserhanfernte im brandenburgischen Prenzlau dabei. Ich habe gesehen, wie die Fasern wachsen, aus denen man eigentlich so viel machen könnte, wenn mehr Menschen, Landwirte und Politiker ihnen eine  Chance geben würden. Ich durfte beobachten, wie sie geerntet und dann zu Baumaterialien verarbeitet werden – und auch zu Katzenstreu. Das war in der Faserhanffabrik von Rainer Nowotny. Er macht etwas aus dem Fasern und obwohl sich das Ganze noch immer in einer Nische versteckt, erlebt er eine kleine wahrhaftige Energiewende.

Die Nachfrage nach seinen Materialien steigt, da es Menschen gibt, die ein bisschen weiter denken als nur bis zum Minimum, um gesetzliche Vorgaben und Förderrichtlinien zu erfüllen. Und es gibt bei dem Thema spannende Forschungsansätze. So versucht ein Agrarwissenschaftler aus Wuppertal gerade den Faserhanf als sogenannte Winterzwischenfrucht zu etablieren. Wenn alles andere geerntet ist, können Landwirte Hanf anbauen, ihn über den Winter stehen lassen und bekommen im Frühjahr richtig gute, weiche Fasern. Außerdem bietet der Hanf, der über den Winter auf den Feldern bleibt, vielen Wildtieren einen Unterschlupf.

Für die Bauernzeitung habe ich über meinen Besuch auf den Hanffeldern in Brandenburg einen Artikel geschrieben. Wer Interesse hat, kann ihn hier nachlesen. Zusätzlich gibt es ein Interview mit Jörg Rinklebe, dem Wissenschaftler, der den Hanf erforscht.

2 Gedanken zu „Hanf – ein vergessener Rohstoff

  1. max

    Hallo,

    ich wundere mich, dass du Monokultur und Bienensterben kritisierst, aber wenn die Monokultur Hanf ist, ist das ok – oder wie?

    mfg,

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    1. Jana Artikelautor

      Hallo,
      Danke für den Einwand. Ich denke, dass man hier genau hinschauen muss, wie viel Fläche von einer Feldfrucht in Anspruch genommen wird (vergleiche mal die Anbauzahlen von Mais und Hanf nach Fläche). Ich denke, die Mischung macht’s. Wir brauchen Mais und Getreide und eben auch Faserpflanzen wie Hanf, obwohl das den Bienen keine Nahrung bietet. Aber wir brauchen auch anderes und keine ganzen Landstriche, die dauerhaft nur mit Mais etc. bepflanzt werden. Die Fruchtfolge auf den Äckern und dass sie zwischenzeitlich brach liegen, ist wichtig für die Umwelt. Dann werden viel weniger Dünge- und Spritzmittel gebraucht, die auch den Bienen schaden. Pestizide und Pflanzenschutzmittel sind beim Hanfanbau übrigens nicht nötig. Wenn Wiesen zwischenzeitlich brach liegen, können hier auch wieder Wiesenblumen wachsen (wichtige Bienennahrung). Genauso, wenn die Landwirte endlich an den Feldrändern wieder Blühstreifen stehen lassen würden.

      Grüße von Jana

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