Wenn Land zur Ware wird

Wir_haben_es_satt9Landgrabbing ist kein Thema, das nur Entwicklungsländer betrifft. Es findet auch hier vor unserer Haustür statt, zum Beispiel in Brandenburg. Weil immer mehr branchenfremde Investoren eine sichere Geldanlage im Kauf von Grund und Boden sehen, wächst der Preisdruck auf Kleinbauern ungemein. Damit bekommen riesige Agrarkonzerne, gerade in Ostdeutschland, immer mehr Macht.

Passend zur Grünen Woche habe ich für die taz dazu einen Beitrag geschrieben. Denn es gibt auch Ideen gegen das Landgrabbing. Eine Berliner Genossenschaft hilft Existenzgründern und Kleinbauern.

Insgesamt sinkt das Angebot an gut nutzbaren, landwirtschaftlichen Flächen, weil sich die Städte, Wohn- und Gewerbegebiete ausdehnen und weil die industrielle Agrarproduktion bzw. der konventionelle Anbau die Böden auslaugt und durch den massiven Einsatz von Chemie verseucht.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage – auch, weil immer mehr Investoren Land als Renditeobjekt für sich entdecken. Für Existenzgründer und Kleinbauern, die nicht im großen Stil und vielleicht sogar nach ökologischen Prinzipien Lebensmittel für den regionalen Markt produzieren wollen, wird es immer schwieriger an neues Land zu kommen oder die Preise für Pachten zu bezahlen.

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Die Preise für landwirtschaftliche Flächen haben sich laut Statistischem Bundesamt in Deutschland seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. In Ostdeutschland sind die Agrarflächen – bedingt durch die DDR-Geschichte und den Aufbau riesiger Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) – noch immer viel größer als im Westen. Auch das macht es Großinvestoren leicht dort Fuß zu fassen. Wer das Kapital hat auf einmal mehrere hundert Hektar zu kaufen, wird auch von den staatlichen Stellen wie etwa der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) bevorzugt, die Flächen im Auftrag des Bunds zum Höchstpreis verkauft.

Dieser negativen Entwicklung versucht die Genossenschaft „Ökonauten eG“ nun entgegenzuwirken, indem sie Land gemeinsam aufkauft und an Junglandwirte und Kleinbauern zu erträglichen Preisen verpachtet. Das erste Projekt – eine kleine Walnussplantage in Velten, ganz nahe an Berlin dran – ist nun gestartet und sucht noch Unterstützer.

Gründerin Vivian Böllersen gehört zur Genossenschaft und wird schon bald beginnen Walnussbäume zu pflanzen. Da diese sehr langsam wachsen, will sie zwischenzeitlich Beeren und anderes Wildobst anpflanzen, um einen Ertrag zu erzielen.

Die Walnussplantage ist das erste Projekt, aber es sollen noch viele weitere folgen. Die Ökonauten haben viele Ideen und wollen langfristig mit all denen, die mitmachen eine kleine Versorgungsgemeinschaft aufbauen. Wer Anteile an der Genossenschaft erwirbt, soll langfristig von den beteiligten Landwirten Gemüse und andere Feldfrüchte zum günstigen Preis bekommen.

Wie das ganze funktionieren soll, könnt ihr hier im taz-Beitrag nachlesen (Artikel jeweils unten auf den Seiten).>>>

Oder bei den Ökonauten direkt auf der Website.>>>

Ebenfalls zum Anlass der Grünen Woche gab es auch wieder die Demo „Wir haben es satt“. Hier ein paar Eindrücke:

 

Ein Gedanke zu „Wenn Land zur Ware wird

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