Hummeln aus dem Pappkarton

Blüte_HummelHummeln sind wahnsinnig hübsch. Dass sie pummelig und langsam sind, ist eindeutig ein Vorurteil. Das Pummelige ist nur der Pelz. Das sind alles nur Haare, glänzende, dichte Haare.

Und Hummeln leisten was. Das haben auch viele Gartenbaubetriebe mittlerweile entdeckt und setzen sie zum Bestäuben in Gewächshäusern ein. Einen solchen Betrieb habe ich besucht und eine Reportage darüber geschrieben.

Anders als Bienen bleiben die Hummeln in den Gewächshäusern, solange sie hier Nahrung für sich und ihre Nachkommen finden. Sie sammeln Nektar und Blütenpollen in einem viel engeren Umkreis als Bienen, sie orientieren sich eher an der nahen Umgebung als am Licht und stören sich auch nicht daran, dass die Luft feucht und schwül ist. Sie sind nicht blütenstet, sondern grasen alles ab, was Ihnen in die Quere kommt und sie kommunizieren nicht miteinander wie die Bienen mit dem sogenannten Schwänzeltanz.

Die Unterschiede muss man nicht bewerten. Bienen machen das eine und Hummeln das andere. Und dass Hummeln mit den Gegebenheiten eines Gewächshauses klarkommen, ist genau das, was die Gemüsebauern für sich nutzen.

Als ich in dem Betrieb ankam, musste ich mir einen Schutzanzug anziehen und Überzieher über die Schuhe, damit ich keine Krankheitserreger in die Gewächshäuser schleuse. Alles steril und sauber. Ohne Hummelnester, die direkt zwischen die Pflanzen gestellt werden, wäre eine natürliche Bestäubung hier kaum möglich.

Gewächshäuser

Man denke an die Szene aus dem Film „More than honey“ in China mit den Arbeitern, die mit Pinseln die Blüten einer Obstplantage bestäuben. Ganz so schlimm war das in den Gewächshäusern zwar nicht, bevor die Hummeln dort eingesetzt wurden. Der Betriebsleiter, mit dem ich mich unterhalten konnte, hat aber dennoch erzählt, dass früher das große Blütenschütteln angesagt war.

Ist das der Preis für den Gemüseanbau hinter Gittern?

Was so natürlich klingt, hat auf jeden Fall einen Preis. Denn irgendwie werden die Hummeln auch zur Ware. Die Völker werden mittlerweile in Millionenzahlen gezüchtet, per Post verschickt und dürfen dann eine Saison hinter Glas fliegen. Bei den Hummeln überwintern nur die Königinnen.

Klingt krass, aber lässt mich grübeln. Denn der Einsatz der Hummeln verhindert auf zweierlei Wegen auch, dass das Gemüse – bei meinem Besuch konnte ich übrigens Tomatenblüten in Massen bewundern – mit unzähligen chemischen Mitteln gepeppelt wird. Durch die Hummelbestäubung wachsen die Früchte dick und rund und gleichmäßig und damit es den Hummeln gut geht, dürfen die Tomatenbauern nur im Notfall chemische Mittel spritzen.

Blüte

Gegen Schädlinge setzen sie deshalb meist Nützlinge ein – Raubwanzen oder ähnliches. Und auch diese Nützlinge werden wiederum gezielt gezüchtet. Massentierhaltung im ganz Kleinen sozusagen.

Ich finde es klasse, was die Hummeln leisten und dass sie zudem verhindern, dass massenhaft Chemie eingesetzt wird. An Spritzmitteln gehen sie nämlich genauso zugrunde wie die Bienen. Auf die Hummeln setzen übrigens nicht nur Bio-Betriebe, sondern auch ganz “normale” Gemüsebauern. Denn dieser Weg ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern angeblich auch effizienter und kostengünstiger. Trotzdem macht es mich stutzig, welch Insektenindustrie sich hier etabliert.

Ich bin mir noch nicht so ganz einig, wahrscheinlich ist es wieder der konkrete Umgang mit den Nützlingen, der einen Unterschied ausmacht. So wie in der Imkerei und jeder Tierhaltung auch. Wie geht man mit den Tieren um, die man – mal Hand aufs Herz und ganz ehrlich gesagt – zum Großteil für den eigenen Nutzen hält? Wie tiergerecht dürfen sie leben?

Heute muss alles immer nur effizient sein. Dazu kommt, dass der Einsatz der Hummeln, wenn er auch im Freiland stattfindet, auch Folgen für andere Insekten und die Pflanzenwelt hat.

Die Reportage über meinen Besuch auf der Tomatenfarm erschien in Deutschen Bienen-Journal und jetzt auch in der taz. Ihr könnt sie hier nachlesen.>>>

Hummel

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